Wie können wir unsere Pflanzen optimal kultivieren? Dazu müssen wir als erstes soviel als möglich über die Wachstumsbedingungen an den Heimatstandorten herausfinden: Wir lernen daraus, welche Kulturbedingungen wir schaffen müssen, um die Pflanzen gesund zu erhalten.
Auf folgende Punkte sollten wir besonders achten:
Nachdem wir diese Faktoren kennen, können wir mit diesem Wissen die Pflegebedingungen anpassen:
Die Arten der Gattung Notocactus wachsen in den südlichen brasilianischen Staaten Parana, Santa Catarina und Rio Grande do Sul, in Paraguay, Uruguay und den Staaten Misiones, Corrientes, Entre Rios und Buenos Aires im östlichen Argentinien. Das Hauptverbreitungsgebiet der Notokakteen liegt an der Grenze zwischen Rio Grande do Sul und Uruguay. In Paraguay wachsen nur Mitglieder der Untergattung Eriocactus und der allgegenwärtige N. ottonis. Dagegen gibt es in Argentinien nur Mitglieder der Untergattungen Eriocactus und Malacocarpus (Wigginsia) zusammen mit N. ottonis und N. submammulosus. Die Art mit der größten Verbreitung ist N. ottonis (einschließlich seiner Varietäten und Formen), er kann im gesamten Verbreitungsgebiet der Gattung gefunden werden.
Einzigartig ist Notocactus (Malacocarpus) vorwerkianus. Diese Pflanze ist deshalb so interessant, weil er in Sagomosa, nördlich von Bogota in Kolumbien, entdeckt wurde. Damit wächst er in einer Entfernung von 3000 km außerhalb des normalen Verbreitungsgebietes der Notokakteen. Er scheint sehr nahe mit Notocactus (Malacocarpus) sessiliflorus verwandt zu sein und wurde sicherlich von Vögeln oder Menschen nach Kolumbien gebracht.
Die brasilianischen Staaten Parana, Santa Catarina und die nördliche Hälfte von Rio Grande do Sul liegen in einer Höhe von 500 - 1500 über NN. Nach Süden hin fällt das Gelände durch das südliche Rio Grande do Sul, Uruguay und Argentienien bis auf Meereshöhe ab. Im Vergleich zu anderen Kakteen und anderen sukkulenten Pflanzen wachsen Notokakteen auf einer relativ geringen Höhe, unterhalb von etwa 1000 m, und in Gegenden mit relativ hohem jährlichen Niederschlag (800 bis 1300 mm in Uruguay und 1200 bis 2000 mm in Brasilien).
Die Arten der Gattung Notocactus wachsen am Standort zusammen mit verschiedenen Arten der Gattungen Frailea, Gymnocalycium, Echinopsis, Cereus und Opuntia.
Der Boden, in dem die Pflanzen wachsen, ist mit Sicherheit ein weiterer Hauptfaktor den wir bei der Pflege berücksichtigen müssen. Charakteristisch für die Bodenbeschaffenheit ist die Zusammensetzung des Bodens in Bezug auf das Verhältnis organischem zu anorganischem Material, die Wasserdurchlässigkeit und der pH-Wert.
Notokakteen wachsen an ganz unterschiedlichen Standorten, sowohl Berge mit bis zu 1000 m Höhe als auch Grasland. Meistens wachsen sie jedoch auf "Inseln" niedriger Steinhügel im Grasland oder in Wäldern, in den Spalten der Steine oder im Schatten größerer Pflanzen. Der Boden ist dort sehr durchlässig und besteht zu einem Großteil aus organischem Material verrottender Pflanzen. Aufgrund der guten Durchlässigkeit des Bodens können die Arten von Notocactus im Winter Temperaturen bis zu 8°C und darunter bei hohen Niederschlagsmengen verkraften. Tatsächlich wachsen viele dieser Pflanzen in den südlichen brasilianischen Staaten Parana, Santa Catarina und im nördlichen Bereich von Porto Alegre, RGdS im Moos. Dabei handelt es sich um Arten der Untergattung Brasiliparodia, z.B. rechensis, alacriportanus, brevihamatus u.a. Der hohe Gehalt an organischem Material bewirkt dabei einen sauren Charakter des Bodens (pH-Wert zwischen 4.0 und 6.0).
Der andere Haupteinfluß sind die Änderungen der Regenmenge und der Temperatur im Jahresverlauf. Die Verläufe für verschiedene Standorte von Notokakteen sind auf den folgenden Bildern dargestellt. Sie geben einen Hinweis darauf, warum einige Pflanzen gegenüber den anderen eine etwas andere Behandlung verlangen. Es ist aber nur eine kleine Anzahl an Graphen aus dem Hauptverbreitungsgebiet von Notocactus eingefügt.
Das Studium der Graphen ist dabei nicht essentiell, diese wurden nur als Referenzmaterial eingefügt. Sie können auch einfach übersprungen werden.
Alle Graphen enthalten die durchschnittliche monatliche Regenmenge (in blau) und Temperatur (in rot). Mit Ausnahme des ersten Bildes ist die Achsenskalierung identisch, dies erlaubt einen einfachen Vergleich der Orte. Achtung: die Temperaturen sind lediglich monatliche Durchschnittswerte und geben kein exaktes Abbild. Im Sommer kann die Temperatur zeitweise 36°C erreichen während sie im Winter auf -10°C fallen kann. Dabei können die Pflanzen kurzzeitig mit Schnee bedeckt sein.
| Kew Gardens, London, England. 51.50°N, 0.30°W 5m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 615mm | Average Temperature | 10.4°C |
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OK, starten wir mit meiner Heimat, London, England. In der nördlichen
Hemisphäre haben wir Winter zwischen den Monaten Oktober und März,
der Sommer liegt irgendwo im Rest des Jahres, die wärmsten Monate sind Juni
bis August. In England ist die wärmste Periode dabei auch die feuchteste.
Im Winter können die Temperaturen auf -16°C fallen, im Sommer 32°C
erreichen.
Im Gegensatz zu den folgenden Bildern wurde der Temperaturbereich so erweitert, daß die tiefen Wintertemperaturen in London sichtbar werden. | |||
| Curitiba, Parana, Brazil. 25.43°S, 49.20°W, 949m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 1415mm | Average Temperature | 16.5°C |
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Curitiba ist der nördlichste Punkt des Verbreitungsgebietes der
Notokakteen. Hier können wir verschiedene Pflanzen der Gruppe um
N. ottonis, wie carambeiensis und deren Varietät
vila-velhensis sowie Formen von N. linkii finden.
Der offensichtlichste Unterschied zum vorgehenden Bild ist der, daß die rote Kurve (Temperatur) invertiert ist. Dies liegt daran, daß sich alle diese Orte auf der südlichen Erdhalbkugel befinden. Deshalb werden hier, und in allen folgenden Bildern, die höchsten Temperaturen am Anfang und Ende des Jahres erreicht. Die kühlere Periode liegt in der Jahresmitte. Glücklicherweise kümmern sich die Pflanzen nicht darum, wo sie wachsen; sie passen sich den geänderten Jahreszeiten an. Weiterhin ist offensichtlich, daß die monatlichen Regenfälle viel höher als in London sind. Die größte Regenmenge fällt dabei in die warme Jahreszeit, trotzdem fällt auch während des Winters relativ viel Regen. An diese Tatsache sollten wir uns immer erinnern, wenn wir Notokakteen bei uns pflegen. | |||
| Porto Alegre, Rio Grande do Sul, Brazil. 30.02°S, 51.20°W, 47m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 1333mm | Average Temperature | 19.4°C |
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In Porto Alegre und dem Gebiet nördlich davon finden wir alle Arten der
Untergattungen Brasilicactus, z.B. graessneri und
haselbergii, Brasiliparodia z.B. rechensis,
alacriportanus, brevihamatus u.a., einige Eriocactus z.B.
leninghausii und warasii sowie unterschiedliche Arten um
ottonis. Alle Arten von Brasiliparodia können beinahe immer
im Moos und in Flechten gefunden werden. Dagegen wächst Brasilicactus
in feuchten Felsspalten.
Der Temperaturverlauf ist nahezu identisch zum vorhergehenden Bild und zu den meisten, die noch folgen. Im Winter kann die Temperatur auf -10°C absinken und die Pflanzen können mit Schnee bedeckt sein! Aber sobald die Sonne wieder herauskommt steigt die Temperatur an und der Schnee schmilzt weg. Interessanterweise fällt die höchste Regenmenge im Winter. Die beiden Gattungen Brasilicactus und Brasiliparodia aus diesem Gebiet besitzen deshalb sehr spezifische Wachstumsbedingungen. | |||
| Alegrete, Rio Grande do Sul, Brazil. 29.68°S, 55.50°W, 92m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 1656mm | Average Temperature | 19.0°C |
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Im Gebiet um Alegrete können wir Arten der Untergattung
Malacocarpus, Notocactus z.B. Formen von ottonis und
zugehörige Taxa, Neonotocactus z.B. Formen von mammulosus
u.a. sowie Eriocactus magnificus finden.
Die Temperaturkurve unterscheidet sich wieder nicht von der vorherigen. Die Regenmenge ist ebenfalls hoch, aber mit einer deutlichen Verringerung in den kühleren Wintermonaten. | |||
| Rivera, Uruguay. 30.88°S, 55.50°W, 242m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 1622mm | Average Temperature | 18.0°C |
| |||
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Rivera liegt in der Nähe der Grenze zwischen RGdS und Uruguay in den Bergen
der Cuchilla Negra. Hier finden wir Arten der Untergattung Malacocarpus
z.B. sellowii, Neonotocactus z.B. orthocanthus, Formen von
mammulosus und mueller-melchersii und Notocactus z.B.
herteri, minimus und Formen von ottonis.
Die Temperaturkurve unterscheidet sich nicht von den vorherigen. Bemerkenswert ist jedoch eine leichte Verringerung der Regenmenge in der kältesten Periode, die aber trotzdem noch relativ hoch ist. Mit dem Steigen der Temperatur ist dann ein starkes Ansteigen der Regenmenge verbunden. Ebenso ein kleiner, aber erkennbarer, Anstieg beim Fallen der Temperatur. | |||
| Paysandu, Uruguay. 32.33°S, 58.00°W, 61m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 1193mm | Average Temperature | 17.9°C |
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Pasandu liegt an der Grenze zwischen Uruguay und dem argentinischen Staat Entre
Rios nahe des Flusses Uruguay. Hier wachsen Arten der Untergattung
Malacocarpus z.B. sellowii und Notocactus z.B. Formen von
ottonis u.a.
Die Temperaturkurve ist praktisch dieselbe wie zuvor, allerdings ist die Min-Max Differenz etwas größer. Die Regenmenge entspricht etwa der von Rivera. Es sind wiederum zwei Anstiege der Regenmenge zu sehen: zu Beginn und am Ende der kühleren Jahreszeit. Während der kühleren Periode ist eine Verringerung der Regenmenge zu erkennen, hier aber noch deutlicher ausgeprägt. Weiterhin verringert sich die Regenmenge während der heißesten Monate. | |||
| Treinta-Y-Tres, Uruguay. 33.22°S, 54.30°W, 46m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 1259mm | Average Temperature | 16.9°C |
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Treinta-Y-Tres liegt im zentralen östlichen Teil von Uruguay. Hier wachsen
Arten der Untergattungen Malacocarpus z.B. sellowii mit den
Varietäten turbiniatus und pseudopulvinatus, Notocactus
z.B. Formen von ottonis und scopa var. marchesii und
Neonotocactus z.B. mammulosus.
Wiederum dieselbe Temperaturkurve. Allerdings ist die Kurve für die Regenmenge genau spiegelbildlich der vorhergehenden Orte in Uruguay. Hier sind die feuchtesten Perioden gleichzeitig auch die wärmsten und es gibt einen Anstieg der Regenmenge in den kältesten Monaten. | |||
| Punta Del Este, Maldonado, Uruguay. 34.97°S, 54.90°W, 16m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 1037mm | Average Temperature | 16.5°C |
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Nun zum letzten Ort in Uruguay: Punta del Este liegt im Staat Maldonado an der
Atlantikküste. Hier wachsen Arten der Untergattungen Malacocarpus
z.B. neoarechavaletae und erinaceus und Notocactus z.B.
scopa, tabularis, concinnus.
Aufgrund der Nähe zum Atlantik sind die Temperaturmaxima nicht so hoch wie an den anderen Standorten und die kühle Periode ist länger. Die Regenmenge ist am Ende der warmen Periode am höchsten. Ein weiterer Anstieg ist bei steigender Temperatur zu erkennen, der aber abrupt endet. | |||
| Villarrica, Paraguay. 25.75°S, 56.40°W, 189m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 1575mm | Average Temperature | 22.1°C |
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In Villarica in Paraguay finden wir unterschiedliche ottonis var.
paraguayensis und Arten der Untergattung Eriocactus z.B.
ampliocostatus und grossei var. aureispinus.
Die Temperaturdifferenzen hier sind deutlich höher. Die Regenmenge ist während der warmen Periode am höchsten und während der kühlen Zeit am niedrigsten. | |||
| Cordoba, Argentina. 31.40°S, 64.20°W, 425m | |||
|---|---|---|---|
| Annual Rainfall | 718mm | Average Temperature | 17.3°C |
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Der letzte untersuchte Ort ist Cordoba, er liegt in der Sierra de Cordoba,
Argentinien. Dies ist das westliche Ende des Verbreitungsgebietes von
Notocactus. Wir finden hier nur Varianten von
Malacocarpus sessiliflorus und Notocactus submammulosus.
Das Profil für die Regenmenge und die Temperatur ist nahezu identisch, d.h. heiße feuchte Sommer und kühle trockene Winter. | |||
Nun, was haben wir aus all' diesen Graphen gelernt? Hoffentlich ist deutlich geworden, daß einige Faktoren über das ganze Verbreitungsgebiet nahezu gleichbleibend sind.
Es gibt aber auch Orte, die sich in ihren Bedingungen deutlich von den anderen unterscheiden. Am auffälligsten sind dies die höher gelegenen Orte im nördlichen Verbreitungsgebiet von Notocactus, z.B. Porto Alegre. Hier liegt das gesamte Verbreitungsgebiet der Untergattungen Brasilicactus und Brasiliparodia. Bedenken wir den großen Verbreitungsbereich der Gattung Notocactus, muß es einen "Unterschied" in den Anforderungen der beiden Untergattungen geben, da sie keine ähnlich große Verbreitung wie die anderen Untergattungen wie z.B. Malacocarpus haben.
Wenn wir weiterhin die Bedingungen der Standorte kennen, aus der ein Teil der Taxa, z.B. eine Untergattung, eine Gruppe der Species oder einzelne Arten kommen, können wir durch dieses Mehr an Information auch besser entscheiden, wie wir die Pflanzen zu behandeln haben.
Genauso wie andere Kakteen hat Notocactus Methoden entwickelt, den Wasserverlust zu verringern. Sie haben eine dicke Cuticule die einerseits das Wasser drinnen hält und zweitens versucht, Schädlinge und Krankheiten nicht hinein zu lassen. Kakteen haben ihre Stomata in tiefen Gruben verborgen, die über den Körper hinweg verteilt sind. (Stomata sind Poren in der Epidermis der Pflanzen die ihnen das "Atmen" ermöglichen, geöffnet dienen sie der Wasserabgabe.) Durch das Zurückziehen der Poren in Gruben ist der Wasserverlust stark reduziert. Kakteen öffnen diese Poren, ebenso wie andere Pflanzengruppen arider Gebiete, während der Nacht. Dann sind die Temperaturen viel niedriger, dies senkt den Wasserverlust nochmals.
Die Pflanzen die in voller Sonne wachsen, entwickeln meist eine größere Bedeckung mit Stacheln als jene, die unter anderen Pflanzen wachsen. Die einzigen Pflanzen die einen Sonnenbrand bekommen können sind die Paucispini, also die Pflanzen um N. ottonis.
Im Vergleich zu den Kakteengattungen viel trockenerer Gebiete wie in Mexiko, Chile u.a. erhalten Notokakteen sehr große Mengen an Wasser. Deshalb besteht auch kein Grund zur Bildung großer Wurzelknollen wie sie bei Gattungen wie Ariocarpus, Turbinicarpus etc. gefunden werden. Bei Notocactus finden wir ein feines und extensives Wurzelsystem.
Das Wurzelsystem von Brasiliparodia hat sich an die Umgebungsbedingungen durch Bildung langer fiberartiger Wurzeln bis 50 cm Länge angepaßt. Diese Wurzeln wachsen in einer dünnen Humusschicht unter dem Moos. Wir finden zwar Pflanzen mit einem Ansatz zur Ausbildung von Leitwurzeln, teilweise in der Untergattung Malacocarpus. Diese sind aber nie so stark wie bei Turbinicarpus etc.
Eine weitere Auswirkung der relativ großen Regenmenge ist, daß die Species im Vergleich zu Turbinicarpus u.a. relativ groß werden können. Dies erreichen die Pflanzen einerseits durch Gruppenbildung, wie die Pflanzen um N. ottonis u.a., oder durch große Einzelpflanzen. Dies ist der Fall in der Untergattung Eriocactus, bei der einzelne Pflanzen bis zu 1 m hoch werden können, oder bei Pflanzen um herteri, die einen Durchmesser von bis zu 20 cm erreichen können. Die tiefen Rippen vieler Species von Notocactus erlauben eine Ausdehnung des Körpers zur Speicherung von Wasser.
Die bisherigen Informationen geben detaillierten Aufschluß über die Umweltbedingungen der Pflanzen am Standort. Wir müssen nun diese Bedingungen, so gut wir können, im Gewächshaus simulieren um die bestmöglichen Bedingungen für unsere Pflanzen zu schaffen. Wenn sich unser Klima von dem am Standort unterscheidet, müssen einige Kulturbedingungen angepaßt werden.
Für die meisten von uns ist es unmöglich jeder Pflanze die optimalen Wachstumsbedingungen zu verschaffen, dies würde viel zuviel Zeit und Raum beanspruchen. Deshalb müssen wir die Pflanzen in solche Gruppen einteilen, die die gleichen oder zumindest ähnliche Bedingungen benötigen.
Ich bitte zu beachten, daß ich in England lebe, wo die Winter im Oktober beginnen und bis zum März gehen. Sie sind feucht und die Temperaturen gehen auf bis zu -16°C herunter. Die Sommer sind nicht so feucht während die Temperaturen bis zu 32°C erreichen können. Die folgenden Informationen und Ratschläge sind lediglich Richtlinien für as, was ich in den letzten ungefähr 15 Jahren bei der Pflege dieser Pflanzen gelernt habe. Du sollst, oder mußt, diese Informationen an deine eigene Situation anpassen. Was ich sonst noch dazu sagen kann: bei mir funktioniert es ... meistens.
Notokakteen sollen in einem gut durchlässigen Boden mit reichlich organischem Material wachsen. Er muß einen niedrigen pH-Wert unter 6.0, d.h. leicht sauer, haben. Ich benutze dazu eine Erdmischung aus 2 Teilen John Innes no. 2, einen Teil groben Kies und einen Teil Torf. Diese Erde ist ein guter Ausgangspunkt, neigt aber vor allem dann dazu alkalisch zu werden, wenn Leitungswasser anstatt Regenwasser verwendet wird. Als Gegenmaßnahme benötigen wir eine Möglichkeit der Ansäuerung. Dies kann durch handelsübliche Produkte zur Bodenansäuerung, wie sie für Azaleen, Rhododendren und andere säureliebende Pflanzen angeboten werden, oder durch direkte Zugabe von kleinen Mengen Säure in das Wasser geschehen. Letztere Methode benötigt allerdings Spezialchemikalien oder ein pH-Meter um den pH-Wert zu testen und sicherzustellen, daß die richtige Menge an Säure zugegeben wurde. Meistens ist diese Methode deshalb nichts für uns.
Ich nehme für die meisten meiner Pflanzen viereckige Kunststofftöpfe. Für größere, gruppenbildende Pflanzen nehme ich runde Kunststofftöpfe. Man verwendet optimalerweise kleine Töpfe, da Notokakteen im allgemeinen ein flaches Wurzelsystem haben. Ich empfehle keine Tontöpfe, da diese zu schnell austrocknen und damit das feine Wurzelsystem schädigen.
Beim Umtopfen lege ich einige Stücke Kies (6 mm Ø ) auf den Topfboden um zu verhindern, daß der Boden beim Gießen ausgewaschen wird. Diese bedecke ich mit einer Schicht von ca. 1 cm der Erdmischung und halte die Pflanze so in den Topf, daß das "Genick" der Pflanze knapp unter der Topfkante ist. Dann wird die restliche Erde bis auf ungefähr 1 cm unterhalb des "Genicks" um die Pflanze gefüllt und leicht angedrückt. Der Rest wird mit demselben groben Splitt aufgefüllt, den man für die Erdmischung verwendet. Ich besprühe die Pflanze dann ganz leicht mit Wasser um die Erde vom Körper zu entfernen.
Die meisten Pflanzen können wirklich in der vollen Sonne stehen, eine Ausnahme bilden vielleicht einige der Pflanzen um N. ottonis, diese benötigen etwas Schatten. Stehen die Pflanze in der vollen Sonne, sehen sie gesünder aus und bekommen eine kräftigere und farbigere Bestachelung. Einige Arten der Untergattung Eriocactus wachsen am Heimatstandort an Abhängen und richten ihren Wachstumspunkt ganz natürlich zur Sonne aus. Dies ist das natürliche Aussehen und kein Zeichen für einen Mangel an Sonne.
Dieses Jahr (1999) habe ich alle Paucispini, d.h. Pflanzen um N. ottonis, außerhalb des Gewächshauses in die vollen Sonne gestellt und es scheint ihnen besser zu bekommen als im Gewächshaus. Nur gegen längere Regenfälle müssen sie geschützt werden.
Alle Arten von Notokakteen können Wintertemperaturen von bis zu 5 °C aushalten, die Ausnahme bildet N. magnificus der unterhalb von 10 °C braune Flecken bekommt. Deshalb bringe ich diese Pflanze den Winter über ins Haus.
Der wichtigste Punkt für eine erfolgreiche Pflege aller Arten von Notokakteen ist die Versorgung mit ausreichend Wasser. Wie wir in den Bildern gesehen haben, bekommen alle Arten von Notokakteen das ganze Jahr über eine ganz beachtliche Menge an Wasser. Unglücklicherweise für uns Züchter verursacht eben genau das die Probleme in der Pflege. Alle Notokakteen müssen das ganze Jahr über Wasser bekommen, sonst trocknen die Wurzeln aus und sterben ab. Dadurch hören sie auf zu wachsen oder gehen ein. Deshalb müssen wir im Winter während Perioden mit wärmerem Wetter geringe Mengen an Wasser geben. Wie bei allen anderen Kakteen ist es sehr wichtig, daß die Pflanzen nicht im Wasser stehen; es soll nur soviel gegossen werden, daß die Wurzeln vor dem Austrocknen geschützt sind.
Normalerweise gebe ich meinen Pflanzen bei jedem dritten Gießen eine auf die Hälfte verdünnte Düngermenge. Ich versuche dabei zwischen den beiden sauren Düngern Phostrogen und ICI Miracid zu wechseln. Benutze ich nur ICI Miracid bekommen manche Pflanzen gelbliche Wolle in den Areolen. Dagegen besprühe ich die Pflanzen zusätzlich mit klarem Wasser.
Diese Ratschläge gelten für den Großteil aller Notokakteen. Es gibt aber wie immer einige Pflanzen die eine spezielle Anforderungen stellen. Die erste Gruppe die eine unterschiedliche Pflege benötigt, kommt aus den höher gelegenen Gebieten im nördlichen Verbreitungsgebiet, z.B. Porto Alegre, RGdS, Brazil. Dies sind die beiden Arten der Untergattung Brasilicactus, d.h. haselbergii und graessneri, und alle Arten von Brasiliparodia, d.h. alacriportanus, brevihamatus, buenekeri, rechensis u.a. Die Arten der Fricianae aus dem Norden Uruguays, d.h. minimus, minimus var. tenuicylindricus, ruoffii u.a. brauchen dieselben Bedingungen.
Bei mir verlieren diese Pflanzen ihre Wurzeln sehr leicht wenn die Erde irgendwann einmal austrocknet. Während der heißesten Zeit im Sommer gieße ich sie 2 bis 3 mal die Woche, im Winter alle 2 bis 3 Wochen, so daß die Erde immer etwas feucht bleibt. Wenn Algen oder Moos in den Töpfen wächst, dann bekommen sie genug Wasser.
Geben wir diesen Arten große Mengen an Wasser, vergrößern wir aber auch die Gefahr von Wurzelfäule. Bei den einzelnen Pflanzen von Brasilicactus können wir nur das Beste hoffen; ich habe bisher aber noch keine Pflanze wegen Fäule, sondern nur durch Austrocknen der Wurzeln verloren. Bei den gruppenbildenden Arten der Fricianae und Brasiliparodia mache ich jedes Jahr ein paar Ableger, so habe ich immer "Backups". Zwei oder drei dieser "Backups" behält man in der eigenen Sammlung, der Rest kann an andere Sammler weitergegeben werden.
Die andere Gruppe die etwas mehr Pflege benötigt, sind die Melchersianae, z.B. mueller-melchersii, rutilans, roseiflorus u.a. aus dem Norden Uruguays. Mit diesen habe ich die meisten Probleme. Ihre Wurzeln trocknen den Winter über aus und sterben ab, danach stirbt der ganze Körper über ein paar Jahre hinweg von der Basis her ab und vertrocknet. Am Standort bekommen diese Pflanzen eine verstärkte Regenmenge zu Beginn des Winters wenn die Temperatur gerade zurückgeht und eine andere am Anfang des Sommers. Weiteren Niederschlag gibt es aber auch während der kältesten Periode. Ich gebe diesen Pflanzen eine kräftige Wassergabe bevor der Winter beginnt, also Mitte Oktober. Dann gebe ich eine kleinere Menge Mitte Dezember, Anfang Januar. Hoffentlich fällt diese Wassergabe mit einer milden Periode zusammen, falls nicht, werden die Pflanzen für ungefähr eine Woche ins Zimmer geholt.
Es gibt nur zwei relevante Schädlinge an Notokakteen. Dies sind rote Spinnmilben und Wurzelläuse. Beide können mit handelsüblichen Insektiziden, ich benutze Malathion (in D nicht zugelassen), bekämpft werden. Bei einem stärkeren Befall mit Wurzelläusen kann ein Pilzbefall in der Erde auf den toten Läusen auftreten. In der Vergangenheit habe ich eine Woche nach dem Insektizid ein Fungizid gegossen um zu verhindern, daß die Pilze die Pflanzen befallen.
Krankheiten von denen die Pflanzen befallen werden können, sind meistens Probleme mit den Wurzeln. Dies kann durch Überwässerung oder alkalischen Boden verursacht werden. Wenn die Wurzeln zerstört sind, müssen alle toten oder beschädigten Wurzeln entfernt werden. Besteht eine Pilzinfektion, dies ist an einer braunen Verfärbung des Gewebes zu erkennen, muß sie mit einem scharfen, sterilen Messer ganz ausgeschnitten werden. Das beschädigte Gewebe muß dann durch Liegenlassen an einem trockenen, luftigen Ort ganz abtrocknen und mit einem Kallus überzogen sein. Die Wiederbewurzelung erfolgt durch Einpflanzen in feuchte, sterile Erde in einem verschlossenen Plastikbeutel, der die Austrocknung der Erde verhindert. Neue Wurzeln erscheinen meist nach ein paar Wochen.
Bekommt eine Pflanze Sonnenbrand, muß sie an einen schattigeren Ort gestellt und viel gegossen werden bis der Sonnenbrand verschwindet. Erscheint die grüne Farbe auch nach ungefähr zwei Wochen noch nicht, muß die Pflanze ausgetopft und auf Wurzelverlust oder Wurzellausbefall geprüft werden.
Die Pflanzen um Herterianae besitzen eine Neigung zur Bildung einer braunen korkigen Basis. Solange diese Pflanzen genügend Wasser und Nährstoffe bekommen, wird diese häßliche Ausbildung verringert aber nicht ganz verhindert.
Aufgrund der kalten, feuchten Winter in England kann auf verbliebenen Früchten ein schwarzer Pilz wachsen. Deshalb versuche ich so viele Früchte wie möglich zu entfernen sobald sie reif sind. Dazu muß man die Frucht an der Spitze greifen und leicht auf und ab oder seitwärts bewegen. Wenn die Frucht völlig reif ist, läßt sie sich leicht von der Pflanze ablösen. Dies gilt für alle Arten mit Ausnahme der Setacei und der Untergattung Malacocarpus. Bei den Setacei bleibt auch die ganz reife Frucht fest an der Pflanze. Wird sie mit Gewalt abgelöst, verletzt man dabei die Pflanze. Die Früchte von Malacocarpus reifen nicht vor Februar bis März im Jahr nach der Blüte. Deshalb müssen diese Arten genau beobachtet werden und die Blütenreste über den Winter mit einem Fungizid behandelt werden.
Weiterhin verkleben absterbende Blüten von Notocactus die anderen offenen Blüten. Um dies zu verhindern, können die Petalen der toten Blüte zusammengedrückt werden.
Notokakteen sind einfach aus Samen zu ziehen. Dazu muß ein steriler Boden verwendet werden und die jungen Sämlinge müssen genügend Feuchtigkeit und frische Luft erhalten. Ich bevorzuge bei der Aufzucht aus Samen folgende Methode: bis zu 50 Samen werden in einen 6.5 cm (2½") Topf mit John Innes Erde ausgesät. Die Erde und die Samen werden gründlich gewässert, dazu wird der Topf in eine Wasserschüssel gestellt und solange gewartet, bis die Oberfläche feucht ist. In den Topf wird ein Etikett mit den notwendigen Informationen wie Name der Pflanze, Datum, Anzahl der Samen usw. gesteckt, das ganze in einen Plastikbeutel gestellt und dieser verschlossen. Die Saatschalen werden ungefähr jede Woche überprüft und bei Bedarf gewässert um ein Austrocknen zu verhindern. Die Sämlinge werden erst dann in eine größere Saatschale oder Einzeltöpfe umgesetzt, wenn sie ca. 1 cm Ø haben oder einander aus der Erde drücken.
Pflanzen die Ableger bilden können natürlich auch so vermehrt werden. Haben die Ableger keine Wurzeln, werden sie auf feuchter Erde in einen verschlossenen Plastikbeutel gelegt; die Wurzeln erscheinen gewöhnlich nach ein paar Wochen.
Keine Art der Gattung Notocactus muß gepfropft werden.